Speakers Corner

Samstag, 16. Januar 2010 - 23:56 Uhr
Der nächste Lehrgang, der selbe Herr...

Dem gemeinen eilige- Liegewagenfahrer begegnen jedes Jahr etliche Lehrgänge, Fortbildungen, Curricula, Auffrischungen, Einweisungen, Updates usw usw...
Nach gefühlten 20 Jahren Pflasterlaster- Fahrens durch 5 absolut unterschiedliche Rettungsdienstbereiche mit jeweils anderen Unterrichten trifft man im Laufe der Zeit komischerweise immer wieder die gleichen Gesichter.
Hier die graue Eminenz, der Leitende Notarzt einer großen Stadt am Rhein, der einem quasi " das Laufen" beigebracht hat, da die junge Notärtzin, der man immer wieder zeigen muss wie man hinten in das dicke Auto kommt und mit der man sich jetzt schon den 3. Lehrgang teilt. Da der Intensivpfleger, von dem man so viele spannende Gerüchte gehört hat, und hier der Assistent, der sie alle in die Welt gesetzt hat... und mittendrin wieder ein bekanntes Gesicht, der lustige Typ von der Feuerwehr.
Mal wieder ist er der einzige seiner Zunft und erfreut sich über die weiterhin bestehende enorme Kreativität und Vielzahl der Beamten- und Feuerwehrmannwitze.
Ach ja, mal ganz nebenbei, es ging um den Kurs Intensivtransport. Bis kurz vorher war ich immer der Meinung, dass Intensivpatienten im Grunde wie normale Notfallpatienten einzustufen sind, bisschen Improvisation, bisschen hier und da festtüddeln und dann ist das nix besonderes.
Ne... ne... ist doch nen ganz schöner Unterschied.
Zur Einstimmung bekam ich mal schnell die vermutlich 221.- 373. Einweisung in ein mal wieder völlig unbekanntes Beatmungsgerät mit seinen ca 187 unterschiedlichen Beamtungsmustern. Nur zum Warmwerden. Gefolgt von der ersten Simulation an einem Patienten, der wirklich absolut alles kann, z.B. (Pupillen) Reaktion zeigen auf die unterschiedlichen Medikamente und Beatmungsmodi.
Noch dazu gibt es die Möglichkeit in diese Figur alle Löcher, bzw Öffnungen reinzuzaubern, die ein Intensivpatient auch hat. Und dass können einige sein: Hirndruckmessung, Liqourdrainage, zentrale Venenkatheder, extrakorporale Oxigenierungsmaschienen und von aussen gesteuerte Ballonpumpen sowie alles was zur Ver- und Entsorung dient. Ist zwar nur eine unvollständige Auswahl, zeigt aber deutlich den Unterschied zum Notfallpatienten, der ja selten mehr als 3 von uns gemachte künstliche Löcher hat.
Neuer Tag, diesmal mit Fremdsprachenanforderung: CRM und CIRS, Crew Rescourse Management und Crittical Incident Reporting System also Leute beschäftigen und Fehler petzten. Altbekannte Begriffe für ERC- Provider, aber die waren schon längst wieder von Partyerlebnissen überlagert.
Anschliessend gings zur nächsten Simulation ins Fahrzeug, dass tatsächlich unter großen Mühen seitens des Fahrers gute 20min geschaukelt wurde... was ein Spass!
Und das alles mit Leuten, die man seit Jahren nicht mehr gesehen und trotzdem gleich wiedererkannt hat.

Samstag, 19. Dezember 2009 - 21:59 Uhr
Oldenburger, zieht euch warm an!

Wache 1- Wachzug 1, die Heimat der harten Hunde wird Verstärkung bekommen.
Und was für eine! Ist er nicht süß?
Ok, man kann diesem Bild eine gewisse Niedlichkeit nicht absprechen und auch die Tatsache, dass wir aus dem ausgebildeten Feuerwehrmann erst noch einen von uns basteln müssen lassen ihn jetzt noch nicht ganz so knallhart erscheinen, wie er es später einmal sein wird. Den wo wir sind ist ganz klar vorne.
Aber dann! Oldenburger zieht euch warm an!
Wir sind zwar 2 komplett weisse Wolken, aber wer uns einmal rettungsdienstlich hat erleben, oder besser geniessen hat dürfen wird sicherlich vollstes Verständniss für Schwester Karina haben, die schon jetzt um einen Praktikumsplatz bettelt...
2 Norderneyer auf einer Wache, in einer Wachabteilung... da gibts tatsächlich noch kein App für!

Mittwoch, 9. Dezember 2009 - 13:41 Uhr
An der Feuerzangenbude des Lebens...

Wenn 2 durch reichlich Feuerzangenbowle angetütterte Freizeit- Grimme- Preis Träger Abends so ein Schildchen erblicken ist es natürlich vorbei mit der Ruhe...
Der Philosphie- Sprechstein macht die Runde und das große Ganze wird auf einige wenige tiefgreifende Formulierungen runtergestutzt:

- Gibt es wirklich für alles ein App?
- wie meinte der Onkel das mit der Einladung?
- warum gibts für die Wachalamierung so viele Tasten?
- ist es Nachts wirklich kälter als draussen?
- kann man den Raab nicht einfach schlagen?
- oder Kräuterbutter?
- und was war jetzt eigentlich das Oberthema, oder gings nur darum, dass wir uns nicht erklären konnten nach 2 Heisgetränken schon so schwer durch den Wind zu sein?

Samstag, 7. November 2009 - 22:17 Uhr
Ich bin ein Hamburger Jung und ich komm voll in Schwung, wenn ich hüpf und spring und

...zu meiner Freude wieder in Oldenburg bin...
Gute 3 Wochen hatte ich die einmalige Gelegenheit bei der Berufsfeuerwehr Hamburg hinter die Kulissen zu blicken.
Nicht irgendeine Wache, sondern die Heimat der harten Hunde Hamburgs, quasi die Wache 1 der Stadt, die Feuer-und Rettungswache F 14 Altona.
Zu ihrem Einzugsgebiet zählen Gegenden, von denen der ein- oder andere vielleicht schonmal gehört hat... Hamburger Hafen, Landungsbrücken, Jungfernstieg, Reeperbahn, Millerntorstadion also der ganze Kiez.
Angeleiert hat das ganze ein im Herzen schwer entflammter Hamburger Kollege, er ersetzte mich (ganz unersetzbar bin ich anscheinend nicht) auf der Klingelwache in der heissen Oldenburger Innenstadt und ich begann meinen Urlaub in Hamburg City.
Eines mal vorab, in Hamburg fand ich es ruhiger als es normalerweise bei uns ist. Weiss ja keiner, aber ich schätze es liegt mal wieder an mir...
Feuerwehren, egal welche, arbeiten nach ähnlichen Grundsätzen, deswegen ist der kleine Löschknecht auch theoretsich, je nach Begriffsstutzigkeit, austauchbar.
Überall werden Wohnungstüren geöffnet, gibts die Show der Elemente, also Feuer und Wasser, versucht man sich an kleinen und grossen PKW/ LKW umbauten, bringt Kranke in die dafür vorgesehenen Einrichtungen und hat die gleichen Essgewohnheiten (viel Fleisch)!
Ach ja, ausserdem sind die Autos alle rot und können mehr- oder weniger viel Krawall machen.
Viel mehr Ähnlichkeiten gabs eigentlich nicht.
In Hamburg werden morgens ab 6!!!!! die alten Kollegen abgelöst, dabei wird jedem, aber wirklich jeden, mindestens einmal die Hand geschüttelt. Dann wird nicht entspannt mit 15 Leuten beim Kaffee angesessen sondern mit knapp 30 Mann nach blau und weiss getrennt angetreten...
Beim Fahrzeugchecken wundert man sich dann plötzlich, wo die vielen Kollegen auf einmal sind?
Na klar beim Kartoffelschälen!
So kann es dann auch schonmal vorkommen, dass eine Kettensäge einfach mal eine Woche nicht funktioniert, kann so ja auch nicht auffallen...
Nur Sa, So und Mo wird hier im 24h Dienst gearbeitet, in der restlichen Zeit im 12h Dienst, dass heisst also, es gibt Wochen, in denen 4 Mal morgens um 5 der Wecker klingelt...
Befördert wird nach dem Hamburger Laufbahnmodel, man kann sich also kaum dagegen wehren... wenn wir das auch hätten, wäre es mir hier aber vermutlich zu langweilig, worüber sollen sich die Kollegen dann den ganzen Tag aufregen?
Und man muss sich im Laufe der Karriere für den Rettungsdienstzweig oder den Feuerwehrbereich entscheiden, dass bedeutet, entweder Notarzt fahren oder Drehleiter... wir müssen, ich würde es eher als dürfen bezeichnen, hier ja alles machen (können).
Und es gibt einen festen Koch... natürlich nicht im Stellenplan, aber mitfahren bracht der auch nicht!

" Ist das hier nicht alles ein bisschen, ähm, alt?" "Na ja, die Löschfahrzeuge haben schon die beste Zeit hinter sich, Technik Firlefanz gibts nicht, aber unser Rettungsdienst ist ganz vorne...!"
"Echt, das interessiert mich ja mal..." Na ja, schöne, moderne Fahrzeuge, das Äussere steht allerdings im starken Gegensatz zur Beladung... ganz Leer ist auch nicht richtig, aber... Na gut, dank des dort eingeführten Leitstellenabfrageschemas, bekommt man eh zu fast jedem Einsatz einen Notarzt dazu. Hm.
Danach folgt allerdings das Highlight des Tages, das täglich organisierte Frühstücksbuffett. Sehr gut und umfangreich!

An Einsätzen im Rettungsdienst gabs nichts spannendes, ausser dem Patient mit Läusen, nach dem ich mich komplett mit Goldgeist abduschen durfte...
An Einsätzen auf dem Löschfahrzeug gabs auch nichts spannendes, ausser einem weiteren Patienten mit Läusen, nach dem ich mich...
Angeblich ist es sonst nie so ruhig, ja ja!
Aber Lehrreich war es natürlich trotzdem, ich bekam die Möglichkeit mir die sehr gut ausgestattete Landesfeuerwehrschule anzusehen, die SEG Schiffsbrandbekämpfung in Übung zu erleben und ich habe eine exklusive Führung durch die 2. größte Leitstelle des Landes bekommen...
Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist absolut einwandfrei und auch in den Krankenhäusern wird man nett behandelt, bisschen ungewohnt für den Oldenburger.

Die BF Hamburg ist vorallem eins, Groß!
Oldenburg ist vielleicht bevölkerungsmässig gerade der Stadtteil Altona, also etwa 10% insgesamt, das erklärt warum man hier in ganz anderen Dimensionen denken muss! Und jedes Wochenende ist ca 300m von der Wache entfernt auf dem Kiez das komplette Stadtfest auf den Beinen!
Ausserdem ist die Hamburger Feuerwehr die beste Feuerwehr in ganz Hamburg, sagen die Kollegen dort spasseshalber...

Was bietet Hamburg noch? Eine Strassenbahn, die die meiste Zeit unter Tage fährt, eine U- Bahn die fast die ganze Zeit auf Stelzen durch die Stadt führt, und eine Strasse in der es Frauen nur hinter Schaufensterscheiben gibt...

War eine wirklich schöne Zeit, sehr nette Kollegen, aber mir liegt die Kleinstadt eher!
Es hat sich mal wieder bewahrheitet, Feuerwehr ist eine große Familie, schönen Dank nochmal!

Mittwoch, 28. Oktober 2009 - 21:51 Uhr
Unfall einmal aus einer anderen Sicht!

Ich denke mal, daß Photo lässt auf dem ersten Blick erkennen, dass es sich ausnahmsweise nicht um einen humoristischen Eintrag handelt!
Dieses Bild zeigt nur einen kleinen Teil der schrecklichen Folgen eines Unfalls, der einer PKW- Fahrerin, meinem Kollegen und mir wiederfahren ist.
Warum schreckliche Folgen? Ist doch größtenteils nur Sachschaden!
Eben nicht! Die PKW- Fahrerin ist bei diesem Unfall schwer verletzt worden und ich habe immer noch eine Rippenprellung, nur mein Kollege auf dem Beifahrersitz ist komplett unverletzt geblieben.
Wie sich auch jeder Laie beim Anblick dieses Szenarios sicherlich denken kann, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.
Der Rettungswagen hat glücklicherweise die Bäume nur gestriffen und wenn man sich den gegnerischen PKW ansieht... mir ist jedenfalls das Herz in die Hose gerutscht!
Ja dann, ist doch alles gut!
Eben nicht, ich möchte noch einige Dinge in eigener Sache loswerden:
Das man nach so einem Crash nicht wie gewohnt aussteigen kann ist offensichtlich.
Das man aber leicht nervös wird, wenn man sich inmitten heisser Airbaggase und Rauch wiederfindet, im Armaturenbrett sämtliche Warnlampen anspringen und man im Hinterkopf hat, dass wir gerade auf der Seite mit den Sauerstoffflaschen gerutscht sind, dann sich die verzogene Tür, die man jetzt ja auch noch nach oben wuchten muss nicht gleich öffnet, tja dann ist aus der Nervösität zumindestens bei mir schonmal ein noch unangenehmeres Gefühl geworden.
Komischerweise habe ich es für absolut selbstverständlich gehalten, dass ich unverletzt bin. Mein Kollege wars ja auch...
Oben auf der Beifahrerseite zu stehen und dann auf den durch den Unfall zerstörten PKW zu sehen war einer der gruseligsten Anblicke in den vergangenen 10 Jahren Rettungsdienst.
Glücklicherweise greift der geistige Neustart sofort, auch wenn man die schwere Schiebetür zu unserem Material nicht nach oben öffnen kann, kurzer Fluch, dann eben über die hinteren Türen, ist ja eh immer alles irgendwie Improvisation, plötzlich ist man wieder Rettungsdienst.
An die neue Situation angepasst, am Heck heruntergerutscht beginnen die ersten Rückmeldungen und mit Hilfe von Passanten, die uns die Heckklappe aufhalten starten wir die Patientenversorgung, alles wie immer, so scheints.
Aber der Schein trügt! Nichts ist wie immer!
Durch die hellen Scheinwerfer wird das ganze Ausmaß des Unfalls und das enorme Glück das wir hatten erst deutlich. Interessiert man sich anscheinend erst nicht so für.
So gut wie jedem am Einsatz beteiligten Kollegen beschlich ein mulmiges Gefühl, als sie die Alarmierung hörten: "Schwerer Verkehrsunfall mit Eigenbeteiligung!"
Sieht man dann an der Einsatzstelle dieses Bild und kann uns nicht sofort entdecken... Ich schätze es ist unangenehmer um seine Kollegen zu bangen, als selber verwickelt zu sein.
Lässt man mal den Unfallmechanissmus und das Geschehene beiseite, so komme ich endlich zu dem, was ich die ganze Zeit schon loswerden will.
Hätte sich im Patientenraum ein Patient oder Praktikant befunden und wären diese nicht richtig angeschnallt gewesen, und hätten wir insgesamt nicht so viele "glückliche" Umstände auf unserer Seite gehabt, dann wäre es zu tragischen Ereignissen gekommen!
Daraus haben sich für mich Konsequenzen ergeben, die ich auch anderen mit ans Herz legen will, ich werde u.a. versuchen besser auf die Begurtung zu achten.
Den so ein Glück ist weder Plan-, noch Einforderbar!
Wenn sich mit diesem kleinen Einblick in die Seelenlandschaft die ein- oder andere Rippenprellung und so manche Aufregung an Kreuzungen verhindern lässt, so ist das doch viel Wert!
Nach wie vor zählt der Spruch: Ankommen ist alles, Sicherheit geht immer vor!

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